fair.digital – Zukunft digital souverän gestalten

CAS Software AG - Partner KIT-Studiengang Wirtschaftsinformatik
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Portrait Martin Hubschneider fair.digital
Martin Hubschneider
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Portrait von Alexander Mädche Karlsruher Institut für Technologie
Prof. Dr. Alexander Mädche

Die NSA Affäre oder der Cambridge Analytica Skandal sind zwei Beispiele unter vielen der Kategorie Datenschutzskandale. Der in Karlsruhe gegründete gemeinnützige Verein fair.digital e.V. möchte ein starkes Zeichen für mehr Digitale Souveränität von Menschen, Unternehmen, Organisationen und Staaten in Europa setzen. Drei Prinzipien stehen bei dieser Zielsetzung im Mittelpunkt: Datenschutz, Transparenz und Fairness. 
Martin Hubschneider, Vorsitzender des Vereins fair.digital sowie Prof. Dr. Alexander Mädche, einer der stellvertretenden Vorsitzenden, berichten in diesem Interview sowohl über erste Erfolge als auch weitere Pläne der Initiative. 

Herr Hubschneider, Sie sind einer der Gründer von fair.digital. Was war der Auslöser für Sie als Initiator, diesen Verein und vor allem das Gütesiegel „fair.digital“ ins Leben zu rufen?

Wir leben in einer Welt, in der große Datenmonopole in den Vereinigten Staaten und China durch das Sammeln und Verknüpfen personenbezogener Daten enorm an Macht gewinnen. Als freiheitsliebender Mensch und Zukunftsgestalter aus Leidenschaft bin ich damit nicht einverstanden: Diese Plattformökonomien und das bedingungslose Streben nach Gewinnmaximierung bedroht sowohl unsere Marktwirtschaft als auch unsere Gesellschaft insgesamt. Der Verein fair.digital e.V. möchte deshalb dieser Art des Überwachungskapitalismus entgegen wirken und das Bewusstsein für Themen rund um die digitale Souveränität stärken. 
Das fair.digital-Gütesiegel zeichnet ausschließlich IT-Produkte und -Leistungen von Anbietern aus, die den europäischen Datenschutz und faires Handeln ernst nehmen. Das bietet Bürgern und Bürgerinnen, Verwaltungen und Unternehmen zum einen eine gute Orientierung beim Kauf oder der Beschaffung. Zum anderen zeigt die Bandbreite an fairen digitalen Lösungen, dass es durchaus bessere Alternativen gibt, die uns in Europa unabhängig von Datenmonopolen machen.

Prof. Mädche, seit dem Start von fair.digital im Oktober 2020 sind nun ein paar Monate vergangen. Wie ist die Resonanz auf die Initiative und gibt es erste Erfolge?

Wir freuen uns sehr über die Resonanz und die vielen positiven Rückmeldungen, seitdem Martin Hubschneider fair.digital beim InnovationFestival∂karlsruhe.digital im ZKM als Weltpremiere vorgestellt hat. Kein Zweifel: Das Thema digitale Souveränität wird von der Öffentlichkeit deutlicher wahrgenommen – auch in der Wissenschaft, insbesondere der Informatik, aber auch den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften setzt man sich mit den Herausforderungen immer stärker auseinander. Immer mehr Medien und Fachorganisationen greifen das Thema Digitale Souveränität auf und machen es zum Thema, beispielsweise gab es auf der in Karlsruhe virtuell stattgefundenen Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik im vergangenen Jahr eine Impuls Keynote und eine Podiumsdiskussion zum Thema „Digitale Souveränität in einer digitalen Ökonomie“. 

Welche Kriterien müssen von Herstellern digitaler Produkte und Dienstleistungen erfüllt werden, Herr Hubschneider, damit ihnen das Gütesiegels fair.digital verliehen werden kann?

Insgesamt müssen sieben Kriterien für die Zertifizierung erfüllt sein. Dazu gehört unter anderem, dass dem Prinzip der Datensparsamkeit folgend nur wirklich notwendige Daten erhoben werden. Alle darüber hinausgehenden Daten erfordern die explizite Zustimmung des Nutzers. Aber auch einfach nachvollziehbare Datenschutz-Einstellungen für den Nutzer gehören dazu: Zum Beispiel im Sinne einer leicht verständlichen Bedienung und Änderung der Zugriffsrechte sowie der Einhaltung der europäischen Datenschutzrichtlinien.

Welche Tipps geben Sie Nutzerinnen und Nutzer für den alltäglichen Umgang mit personenbezogenen Daten mit, Prof. Mädche? 

Jeden Tag werden wir alle mit der Verarbeitung unserer persönlichen Daten konfrontiert. Egal, ob in sozialen Medien, beim Einkaufen auf Online Plattformen oder beim Surfen im Internet – überall sollten wir das Recht haben, über die Verarbeitung unserer Daten selbst zu bestimmen. 
Deshalb rate ich dazu, sich auch einmal genauer anzuschauen, für welche Zwecke die Daten wirklich verwendet werden und diese auch mal zu hinterfragen. Leider agieren viele Anbieter digitaler Dienste weder transparent noch fair den Nutzerinnen und Nutzern gegenüber. Welche Daten werden gespeichert und warum? Wie schwer ist es, die Datenschutzeinstellungen zu ändern? Werden meine Daten an Dritte weitergegeben?
Mit diesen Fragen kann jeder einzelne sein Bewusstsein für Digitale Souveränität und den selbstbestimmten Umgang seiner Daten schärfen. 


Herr Hubschneider, werfen wir einen Blick in die kommenden Monate – wohin geht die Reise von fair.digital und was sind die nächsten Schritte der Initiative?

Die Gestaltung der digitalen Souveränität der einzelnen Menschen und der Unternehmen bleibt unsere allererste Aufgabe: Wir leisten derzeit noch viel Basisarbeit und laden alle Interessierten ein, mit uns in Kontakt zu treten. Aus meiner Sicht ist dies essenziell für ein freies und stolzes Europa, in dem die Selbstbestimmtheit von Menschen und Unternehmen sichergestellt wird. Klar ist: Wenn wir es in Europa nicht tun, tut es niemand. Wir sehen schon erste Erfolge auch auf europäischer Ebene mit Projekten wie GAIA-X, bei dem es um die Schaffung einer eigenen europäischen IT-Infrastruktur geht.
Dieses Jahr werden wir mit Veranstaltungen weiter Aufmerksamkeit und Bewusstsein schaffen und die Öffentlichkeit und weitere Mitstreiter für das Thema sensibilisieren. Aktuell bewerben sich schon einige Unternehmen auf eine Zertifizierung mit unserem Gütesiegel. Gleichzeitig stößt die Initiative auch auf großes Interesse bei den Nutzerinnen und Nutzern. Deshalb bin ich optimistisch, dass wir die digitale Souveränität Europas erreichen werden, wenn wir uns in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft als digitale Zukunftsgestalter verstehen und unser Handeln von einem gemeinsamen Willen und fair.digitalen Werten geleitet wird.

Vielen Dank Herr Hubschneider und Prof. Mädche für das Interview und die Einblicke in fair.digital.

Das Interview ist ihm Rahmen der Partnerschaft der CAS Software AG und dem KIT-Studiengang Wirtschaftsinformatik entstanden. Die Vernetzung von Wissenschaft und Praxis sowie von Studierenden und Unternehmen ist Kern der Partnerschaft. Bei Veranstaltungen, Workshops oder Exkursionen haben Studierende die Möglichkeit in Kontakt mit CAS zu treten sowie Einblicke in den Unternehmensalltag zu erhalten. Möchten Sie auch Teil des Partnernetzwerks werden? Hier erhalten Sie weitere Informationen.

Martin Hubschneider (Vorstandsvorsitzender des Vereins fair.digital e.V.):
Martin Hubschneider ist Gründer und Vorstand der CAS Software AG, die mit über 450 Mitgestaltern auf dem CAS Campus im Technologiepark menschenverbindende Software-Lösungen für über 480.000 Menschen in 30.000 Unternehmen weltweit entwickelt. Der ausgewiesene CRM/XRM-Experte und Zukunftsvisionär studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Karlsruhe und nimmt neben seinen unternehmerischen Tätigkeiten zahlreiche ehrenamtliche Aufgaben wahr, u.a. als Vizepräsident des Bundesverbandes IT-Mittelstand (BITMi), und geschäftsführender Vorstand von CyberForum e.V. Im Vorsitz des Steuerkreises karlsruhe.digital initiierte er die Bunte Nacht der Digitalisierung und das InnovationFestivalFsc6∂karlsruhe digital.
Mitglied des Strategieboards des Softwarespitzenclusters in Darmstadt, Kaiserslautern, Karlsruhe, Walldorf und Saarbrücken sowie Vorstand der VDMA Software

Prof. Dr. Alexander Mädche (stellvertretender Vorstandsvorsitzender):
Prof. Dr. Alexander Mädche ist Universitätsprofessor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Er ist Sprecher des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Marketing (IISM). Er leitet die Forschungsgruppe Information Systems & Service Design (ISSD). Seine Forschung befasst sich mit der Gestaltung interaktiver intelligenter Systeme für Unternehmen und die Gesellschaft. Prof. Mädche engagiert sich neben seiner Tätigkeit als Universitätsprofessor in verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten, u.a. im Vorstand der gemeinnützigen Vereine Usability & User Experience in Germany UIG e.V.  und fair.digital e.V.

Über den gemeinnützigen Verein fair.digital e.V.
Der gemeinnützige Verein fair.digital e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, die digitale Souveränität von Menschen, Unternehmen, Organisationen und Staaten in Europa auf vielfältige Art zu fördern. Dabei steht der Schutz drei grundlegender Prinzipien im Mittelpunkt: Datenschutz, Transparenz und Fairness.

Mit dem fair.digital-Gütesiegel zeichnet der Beirat des Vereins digitale Lösungen aus, die eine faire und transparente Balance zwischen Nutzer, Anbieter und Gesellschaft anstreben. Die Anbieter von Software-, Hardware- oder Cloud-Lösungen verpflichten sich, die festgelegten Vergabe-Voraussetzungen des Gütesiegels zu erfüllen. Durch die transparente Selbstverpflichtung der Geschäftsführer erhalten Kunden die Sicherheit, dass die Kriterien des fair.digital-Gütesiegels dauerhaft eingehalten werden.

Weitere Informationen unter: https://fair.digital/